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Barrio de Maravillas
Der bedeutendste Roman von Rosa Chacel, ein Schlüsselwerk der spanischen Erzählkunst des 20. Jahrhunderts.
In Barrio de Maravillas zeichnet Rosa Chacel die Kindheit aus einem klaren und anspruchsvollen Blickwinkel nach, bei dem die Erinnerung nicht verklärt, sondern hinterfragt. Isabel, das Mädchen, das beobachtet und lernt in einem Haus, das ihr nicht ganz gehört, bewegt sich zwischen Zimmern, Schweigen und häuslichen Rangordnungen, während die Erwachsenenwelt sich mit unsichtbaren, aber festen Regeln durchsetzt. Der Dachboden, die Straße, das Viertel und die Stadt bilden ein lebendiges Geflecht, das ihr Bewusstsein formt.
Das Madrid zu Beginn des 20. Jahrhunderts erscheint hier als lebendiger Organismus: das große Haus, die Nachbarinnen, der ständige Verkehr, der städtische und gesellschaftliche Wandel. Das Viertel wird zu einer weiteren Figur, einem Raum, in dem das Persönliche und das Gemeinsame sich vermischen und in dem die Kindheit als intensive, manchmal unbequeme, stets aufschlussreiche Erfahrung erlebt wird.
Obwohl mit autobiographischen Elementen durchdrungen, ist Barrio de Maravillas vor allem ein großer Bildungsroman, gebaut auf einer präzisen, nachdenklichen und tief sinnlichen Sprache. Chacel entfaltet eine Schreibweise, die genau beobachtet, analysiert und mit Strenge erinnert, ohne gefühlsmäßige Zugeständnisse, und die die persönliche Erfahrung zu erstklassigem literarischem Stoff macht.
Ein grundlegendes Buch, um nicht nur das Werk von Rosa Chacel zu verstehen, sondern auch eine andere und anspruchsvolle Art, Erinnerung, Zeit und Identität zu erzählen.